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ERINNERN–VERGESSEN:
KUNSTSTÜCKE DEMENZ
Mit einer älter werdenden Gesellschaft in Deutschland sind viele Fragen und Ängste verbunden: Wie wird das Leben in dieser neuen Gesellschaft aussehen? Werden wir mit dieser Herausforderung zurecht kommen? Welche Risiken bringt dieser Wandel? Welche Chancen und Möglichkeiten hält er bereit? Nicht nur aus finanziellen Gründen werden wir uns aufmachen müssen, neue Wege in der sozialen Gemeinschaft zu gehen.
Viele dieser Fragen konzentrieren sich in der Lebenssituation dementiell veränderter Menschen und ihrer Familien. Mit der demographischen Entwicklung wird ihre Zahl – allein in Nordrhein-Westfalen von derzeit 200.000 um 25 % auf 250.000 im Jahr 2015 zunehmen. „Verrückt im Kopf“ zu werden.
Stimmt unser Bild dementiell veränderter Menschen als hilflose, desorientierte und zu betreuende Wesen? Stimmt unser Bild, das den betroffenen Frauen und Männern keine Individualität mehr zugesteht und sie nur noch unter dem Vorzeichen einer Krankheit und eines unheilbaren Verfalls sieht? Ist Demenz allein eine Frage der Ausgestaltung der Pflegeversicherung oder geht es nicht auch um unsere konkrete soziale Solidarität in der Familie, in der Nachbarschaft, im Viertel, in unserer Region?
Diesen Fragen geht das Projekt „Erinnern-Vergessen: Kunststücke Demenz“ nach und beschreitet dafür ungewöhnliche Wege: Die Auseinandersetzung mit dem Phänomen der Demenz, mit ihrer Bedeutung für den Einzelnen, mit unserem Bild, das wir von dieser Krankheit haben, geschieht mit Mitteln verschiedener Künste – vor allem des Theaters.
Ausgehend von Moers wird ab Oktober 2005 in Dortmund, Duisburg, Krefeld, Mülheim an der Ruhr, Mönchengladbach und Wuppertal die Kampagne „Erinnern-Vergessen: Kunststücke Demenz“ stattfinden. In vier Theaterproduktionen, mit Filmwochen, mit Lesungen, Diskussionsforen, Workshops, einer Zukunftswerkstatt und Ausstellungen stellen vor allem Künstlerinnen und Künstler ihre Perspektiven zum Thema Demenz vor: So werden Projekte von und mit dementiell veränderten Menschen gezeigt und mit den Arbeiten von Theater- und Filmemachern sowie anderen Kunstformen verbunden.
Einerseits sollen in dieser künstlerischen Auseinandersetzung fremde und überraschende Seiten der Demenz sichtbar werden und das Verständnis für dementiell erkrankte Menschen bzw. ihre Familien gestärkt werden. Zum anderen dient das Projekt insbesondere dazu, die mit der Versorgung dementiell erkrankter Menschen verbundenen Fragen sozialer Solidarität neu zu thematisieren und in einen unmittelbaren regionalen Zusammenhang zu bringen: Dazu werden Einrichtungen in das Projekt einbezogen, die freiwilliges Engagement fördern (Selbsthilfe-Kontaktstellen, Freiwilligen-Agenturen und die Dienste und Einrichtungen, die dementielle erkrankte Menschen versorgen).
Für das Projekt haben sich das Schlosstheater Moers, die „GSP – Gemeinnützigen Gesellschaft für soziale Projekte mbH“ und der Verein „Lebens-Kunst e.V.“ (Essen), als ein Ideengeber für das Projekt, Partner aus den unterschiedlichen „Welten“ der Kultur und sozialer Engagements zusammengefunden. Diese Zusammenarbeit ist konkret auf die Region gerichtet.
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